Neue Broschüre erschienen: „Kampf der konterrevolutionären Ideologie des Trotzkismus!“

Posted on August 29, 2012

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In Zusammenarbeit mit dem Rot Front Kollektiv (Arbeitskreis für die Debatte kommunistischer Ideologie), entstand die zweibändige Broschüre „Kampf der konterrevolutionären Ideologie des Trotzkismus!“. Zu Grunde liegt der Broschüre eine längst vergriffene Artikelserie in der „Roten Pressekorrespondenz“, dem Organ des Kommunistischen Studentenverbands (Deutschland), der frühen 1970er Jahre, sowie für heute das derzeit dringender werdende Bedürfnis einer gründlichen Auseinandersetzung  mit dem Thema. Zur Einführung wird hier das vom Rot Front Kollektiv verfasste Vorwort wiedergegeben. Die beiden Broschüren können unter unserer Mailadresse (partisanlv@yahoo.com) bzw. postalisch (Partisan-Literaturvertrieb, Stiftgasse 8, 1070 Wien) Bestellt werden. Zusammen kommen sie auf 80 Seiten zum Politpreis von 3,50€.

Partisan Literaturvertrieb, August 2012

Vorwort zu: „Kampf der konterrevolutionären Ideologie des Trotzkismus!“

Rot Front Kollektiv – Arbeitskreis für die Debatte kommunistischer Ideologie, Wien 2012

 

1. Zur historischen Bedeutung des Inhalts dieser Broschüre.

Der Trotzkismus ist eine Ideologie, die ihre Wurzeln im Kleinbürgertum findet. Er entstand als Strömung innerhalb der ArbeiterInnenbewegung Russlands, von Beginn an innerhalb ihrer Partei: der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands (SDAPR), unter deren Führung die Niederschlagung des Zarismus und die erste vollständig sozialistische Revolution der Menschheitsgeschichte erkämpft wurde, aus verschiedenen einzelnen Abweichungen, die sich mit Verschärfung der Klassenkämpfe immer weiter zu einer selbstständigen Linie verdichteten und sich schlussendlich offen gegen die kommunistische Weltbewegung stellten. Die Broschüre zeigt schon in den ersten Kapiteln auf, dass der Trotzkismus als Linie spätestens mit der Errichtung der Diktatur des Proletariats offen auftrat und das er dabei den Zweck hatte, diese von innen her zu bekämpfen und zu schwächen. Das Werk der endgültigen Zerstörung der Diktatur des Proletariats vermochte er jedoch nicht durchzusetzen, das blieb dem ideologischen Vetter des Trotzkismus vorbehalten – dem modernen Revisionismus Chruschtschows und Breschnews, weshalb eine Nachgeburt der konterrevolutionären Umtriebe des Trotzkismus, die so genannte „IV. Internationale“ (eine der damals wichtigsten trotzkistischen Kräfte) auch voller Euphorie 1956 den XX. Parteitag der Kommunistischen Partei der Sowjetunion – Bolschewiki (KPdSU(B)) begrüßte. Auf diesem Parteitag geschah jedoch nicht weniger, als dass die Wiederherstellung kapitalistischer Ausbeutungsverhältnisse in der Sowjetunion durch den offenen Machtantritt des Revisionismus ihren endgültigen Abschluss fand und sich die Sowjetunion vom ersten sozialistischen Staat der Welt in eine konterrevolutionäre und sozialfaschistische Diktatur verwandelte.

Doch wie konnte die Strömung des Trotzkismus innerhalb der Partei und der ArbeiterInnenbewegung entstehen? Stalin schreibt dazu:

„Man darf das Proletariat nicht isoliert von der Gesellschaft sehen. Das Proletariat bildet einen Teil der Gesellschaft, der mit den verschiedenartigsten Schichten durch zahlreiche Fäden verknüpft ist. Die Partei aber ist ein Teil des Proletariats. Deshalb kann auch die Partei nicht frei sein von Verbindungen mit den verschiedenartigsten Schichten der bürgerlichen Gesellschaft und deren Einfluss. Der Druck der Bourgeoisie und ihrer Ideologie auf das Proletariat und seine Partei kommt darin zum Ausdruck, dass nicht selten Ideen, Sitten, Gebräuche, Stimmungen durch bestimmte Schichten des Proletariats, die auf diese oder jene Weise mit der bürgerlichen Gesellschaft verbunden sind, in das Proletariat und seine Partei eindringen.“ (Stalin, VII. erweitertes EKKI, Werke Bd. 9, S.9)

So konnte der ideologische Einfluss des Kleinbürgertums mit ersten Schritten in die SDAPR eindringen und sein Werk beginnen. Doch es war unmöglich, dass sich diese Entwicklung offen vollzog, dass die Strömung des Trotzkismus offen ihren tatsächlichen Klasseninhalt zeigte und gegen das Proletariat zu Felde zog. Vielmehr musste sie sich mit Worten unter einem roten Mäntelchen verstecken, musste sie in Phrasen einzelne Elemente der kommunistischen Ideologie, damals des Marxismus-Leninismus, übernehmen um glaubwürdig zu sein und gleichzeitig dazu heftig Intrigen spinnen und spalten. Nur so konnte diese Strömung noch bevor sie sich zur Linie entwickelte ins Proletariat und seine Partei eindringen und die ideologische und politische Zersetzungsarbeit beginnen. Gerade in Bezug auf solcherlei Betrug, schrieb Lenin im Kontext der nationalen Frage über Trotzki schon 1914: Ein diensteifriger Trotzki ist gefährlicher als ein Feind! Nichts anderem als Privatgesprächen (d.h. einfach Klatsch, von dem Trotzki stets lebt) konnte er als Beweise dafür entnehmen, dass die ‚polnischen Marxisten‘ schlechthin mit jedem Artikel Rosa Luxemburgs einverstanden sind. Trotzki hat die ‚polnischen Marxisten‘ als Leute ohne Ehre und Gewissen hingestellt, die nicht einmal ihre eigene Überzeugung und das Programm ihrer Partei zu achten wissen. Ein diensteifriger Trotzki!“ (Lenin, Über das Selbstbestimmungsrecht der Nationen, AW Bd.1, S.733)

Die Frage danach, warum Trotzki und seine Verbündeten nicht von vorneherein entschiedener bekämpft und aus der Partei der Bolschewiki ausgeschlossen wurden, so wie es später ja dann doch noch passierte, drängt sich dabei selbstverständlich auf. Die Antwort liegt darin, dass erstens der Trotzkismus nicht von vorneherein als geschlossene Linie existierte, sondern, wie oben schon erwähnt, zuerst als Ansammlung von Abweichungen vom marxistischen Kurs. Diese Ansammlungen von Abweichungen waren Ausdruck des tiefsitzenden Opportunismus dieser Strömung innerhalb der ArbeiterInnen- und Volksbewegung, ein Opportunismus der sich in den andauernd schwankenden und höchst inkonsequenten Antworten Trotzkis und seiner Freunde zu den sich im Klassenkampf stellenden Aufgaben ausdrückte. Erst im Laufe der Entwicklung verdichteten sich diese von Beginn an opportunistischen Abweichungen zur gefestigten Linie. Ein weiterer Grund besteht diesbezüglich auch darin, dass nicht jeder Widerspruch unabhängig von der konkreten Situation von vorneherein ein antagonistischer, d.h. unüberbrückbarer, ist:

„Manche Widersprüche weisen einen offen antagonistischen Charakter auf, andere nicht. Je nach der konkreten Entwicklung der Dinge werden manche ursprünglich nichtantagonistischen Widersprüche zu antagonistischen, dagegen andere, ursprünglich antagonistische, zu nichtantagonistischen Widersprüchen. Solange Klassen bestehen, sind die Widersprüche zwischen richtigen und falschen Ansichten in den Reihen der kommunistischen Partei eine Widerspiegelung der Klassenwidersprüche innerhalb der Partei. In der Anfangsperiode oder in einzelnen Fragen treten diese Widersprüche nicht unbedingt sofort als antagonistische zutage. Doch mit der Entwicklung des Klassenkampfes können auch sie sich zu antagonistischen entwickeln. Die Geschichte der KPdSU zeigt uns, dass sich die Widersprüche zwischen den richtigen Ansichten Lenins und Stalins und den falschen Ansichten Trotzkis, Bucharins und anderer anfangs nicht in antagonistischer Form kundtaten, in der Folge aber zu einem Antagonismus entwickelten.“ (Mao Zedong, Über den Widerspruch, AW Bd.1, S.404)

Die vorliegende Broschüre zeichnet die Entwicklung des Trotzkismus von einer opportunistischen Strömung innerhalb der ArbeiterInnenbewegung zu einer offen konterrevolutionären Kraft nach. Sie zeigt auf wie sich der Trotzkismus, mit seinem permanenten Unverständnis gegenüber den nationalen Befreiungskämpfen in kolonialen und halbkolonialen Ländern, mit seinem prinzipienlosen Revolutionismus auf der einen, und seinem Zurückweichen vor den Aufgaben der Revolution auf der anderen Seite, bis hin zur objektiv direkten Unterstützung vor allem des deutsch-österreichischen, spanischen und japanischen Faschismus, entwickelte. Anhand Trotzkis eigener Aussagen wird in vorliegender Broschüre die totale Diskontinuität des Trotzkismus deutlich: war die Revolution in der Offensive, gab auch Trotzki revolutionäre Phrasen zum Besten. Traten jedoch Schwierigkeiten und Defensivsituationen ein, war es gerade der Trotzkismus, der schwarzseherisch und demoralisierend wirkte, sich nicht selten in ungerechtfertigter Weise zurückzog. Fragen wie jene des Verhältnisses der Kommunistischen Partei und des Proletariats zur Bauernschaft, die Möglichkeit des Aufbaus des Sozialismus in einem Lande, usw. sind nur zwei der bekanntesten Punkte, wo das konterrevolutionäre Wesen des Trotzkismus in konkreten Situationen besonders deutlich hervortrat. Die Broschüre zeigt, durchaus mit Quellenbezug auf Trotzki selbst, dass der Kampf gegen den Trotzkismus historisch ein Kampf für den Kommunismus, gegen die Konterrevolution war und ist. Ein Thema also, dem auf ideologischem Gebiet höchste Aufmerksamkeit geschenkt werden muss und welches für das Verständnis der von der kommunistischen Weltbewegung geführten Auseinandersetzungen sowie ihrer Entwicklung grundlegend ist.

 

2. Zur aktuellen Bedeutung dieser Broschüre.

Die seinem Wesen innewohnende Feindschaft gegen die Diktatur des Proletariats verband den Trotzkismus seit jeher mit der Sozialdemokratie. Daher lässt sich geschichtlich nicht nur eine latente Verbindung dieser beiden Ideologien feststellen sondern hat auch gerade die sozialdemokratische Bourgeoisie wenig gegen Trotzki und seine Lehren einzuwenden, den sie hingegen regelmäßig in Artikeln, Dokumentationen und Büchern als den „besseren Bolschewiken“, als „das Gewissen der Revolution“ und Ähnliches lobt. Der Trotzkismus ist jedoch nicht auf Eigenarten der Persönlichkeit Trotzkis zurückzuführen, sondern auf die sozialen Schichten auf die sich diese Ideologie bezieht – das Kleinbürgertum, welches dem Sozialdemokratismus selbstverständlich näher steht, als das Proletariat und die internationale ArbeiterInnenbewegung. Da 1956 der  Kapitalismus in der Sowjetunion und 1976 in China restauriert wurde, kam dem Trotzkismus allmählich der Grund seiner Existenz abhanden – der Kampf gegen die Diktatur des Proletariats, die mit diesen Restaurationen vernichtet wurde. Spätestens damit vollzieht sich die Assimilierung des Trotzkismus an seine alte Verbündete, die Sozialdemokratie, immer offener. Mit dem Zusammenbruch des neuen Zarenreichs, also der sozialimperialistischen Sowjetunion, zu Beginn der 1990er Jahre änderte sich das nicht wesentlich, geht aber durchaus noch um einiges rascher voran als dies davor der Fall war. Wollte man unter Bezugnahme auf heutige trotzkistische Organisationen eine Geschichte der Ideologieentwicklung betreiben, müsste man heute aufgrund der weitgehenden Assimilierung des Trotzkismus durch sozialdemokratische Ideologien mehr denn je korrekterweise von einem Trotzko-Sozialdemokratismus sprechen. Am deutlichsten wird diese Situation in den Neokolonien, wo der Trotzkismus als ideologische konterrevolutionäre Strömung bis auf wenige Ausnahmen politisch und organisatorisch vollkommen in der Sozialdemokratie aufging und keinerlei eigenständige Rolle mehr spielt.

In der prinzipiellen Verbindung von Sozialdemokratie und Trotzkismus liegt auch der Grund, warum diese Lehre, die Zeit ihres Bestehens noch nie dazu in der Lage war auch nur irgendwo Revolution zu machen, sich jedoch immer dadurch hervortat die ArbeiterInnenbewegung und KommunistInnen erbittert, teilweise auch bewaffnet, zu bekämpfen, in den Metropolen des imperialistischen Systems innerhalb der Volksbewegungen (weniger in der ArbeiterInnenbewegung) eine relative Popularität genießt. Gerade aufgrund der allgemein eher schwachen und wenig weit entwickelten Klassenkämpfe ist es dem Trotzkismus hier besonders gut möglich, die Rolle der „linken“ Sozialdemokratie wenn auch nicht vollständig zu übernehmen, so doch dahingehend als Hilfstrupp zu wirken. Weiter findet der Trotzkismus gerade in den imperialistischen Ländern neben seiner eigentlichen sozialen Hauptbasis, dem Kleinbürgertum, auch noch die Arbeiteraristokatie vor – jenen bestochenen und korrumpierten Teil innerhalb der ArbeiterInnenklasse, auf den sich der Trotzkismus immer wieder „bezieht“. Diese heute besonders ausgeprägte Beschaffenheit der trotzkistischen Bewegung erklärt bis zu einem gewissen Grad ihre bornierte Metropolenzentriertheit und ihren aggressiven Chauvinismus, der sie vor allem gegenüber den Kämpfen in neokolonialen sowie kolonialen Ländern, gegenüber der neudemokratischen Revolution auszeichnet.

Die Vielzahl trotzkistischer Sekten die sich in den imperialistischen Zentren tummeln, ergibt sich ideologisch einerseits aus der schwankenden Linie in Trotzkis Werken selbst; jede dieser Gruppen kann so ihren „eigenen Trotzkismus“ interpretieren, entgegen jeder ideologischen Kontinuität gibt es für jeden Ansatz etwas herauszupicken. Gleichzeitig führt ihre Funktion als Helfershelfer „linker“ Sozialdemokratie aber auch zu Problemen ideologischer Natur, da der Trotzkismus systematisch ideologische Verwirrung innerhalb der Bewegungen stiftet und es dadurch nicht selten versteht, gerade junge und noch unerfahrenere Kräfte an sich zu binden. Dabei erhält er nach wie vor aktive Schützenhilfe durch den rabiaten Antikommunismus der bürgerlichen Propaganda (die sich vornehmlich gegen die ehemals sozialistische Sowjetunion bzw. China richtet), welche damit zu einem seiner wichtigsten Agitations-Vehikel wird. Diese Tatsache zeigt aber auch die grundlegende Schwäche des Trotzkismus auf, der ohne ideologische Hilfe aus der Bourgeoisie nicht überlebensfähig ist. Kommunismus und Trotzkismus unterscheiden sich nicht bloß nach taktischen Manövern, sondern nach Prinzipen. Daher ist der Kampf gegen den Trotzkismus nicht historisch überlebt, sondern nach wie vor ein Kampf zwischen (klein)bürgerlicher und proletarischer Ideologie in der Jugendbewegung, in sozialen Bewegungen, innerhalb der Linken und teilweise auch in der ArbeiterInnenbewegung (wo er, auch wenn er ihr feindlich gegenübersteht, so wie andere [klein]bürgerliche Ideologien immer wieder auftaucht). Es handelt sich auch heute um einen ideologischen Kampf, der grundsätzlich geführt werden muss und nicht verwischt werden darf.

Diese Broschüre legt allgemein die Grundlagen der Auseinandersetzung mit dem Trotzkismus dar und wird daher durchaus mit Berechtigung aufgelegt. Erstveröffentlicht wurde der Text in der „Roten Pressekorrespondenz“, Nr.160/61 bis 163 (1972), der Wochenzeitung des Kommunistischen Studentenverbands (KSV) der Kommunistischen Partei Deutschlands – Aufbauorganisation (KPD-AO).

Um vom Allgemeinen in die konkrete Situation heute zu kommen, sollte sie gründlich studiert und vor allem diskutiert werden. In Zukunft soll anhand eines praktischen Beispiels einer österreichischen trotzkistischen Gruppe dieses Thema noch weiter und konkret vertiefend behandelt werden. Wir hoffen mit Vorlage dieser Broschüre einen Anstoß zur genaueren Auseinandersetzung mit dem Thema zu geben und wollen damit in den Reihen der KommunistInnen und aller RevolutionärInnen das Bewusstsein über die Notwendigkeit des ideologischen Kampfes stärken.

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